ALBIJOU

Hotel-Wohnen im Dorf mit Service-Niveau à volonté: Das Dorf Albinen als Bijou – ein Begegnungsort mit Hotel, Gastronomie, Kultur, Sport und Event


Im Rahmen des Projekts «PostAlpin» untersuchte das Institut Integrative Gestaltung die Wirkung von Gestaltung in nichturbanen Regionen. Dabei gingen wir von der These aus, dass Design zur ökonomischen und gesellschaftlichen Wertschöpfung in einzelnen Unternehmungen und damit zu nachhaltigen Entwicklungen beiträgt.

Anhand von zwölf Firmen aus dem alpinen schweizerischen Raum, neun davon sind im Kanton Graubünden ansässig, konnte wir unsere These überprüfen und bestätigen. Diese zwölf Firmen haben wir ausführlich porträtiert und in zwei Ausstellungen im Kulturzentrum La Tuor in Samedan gezeigt.


Nun geht es weiter mit einem Projekt im Kanton Wallis – regionale Entwicklung im Kontext von Integrativer Gestaltung bilden den inhaltlichen Rahmen für dieses neue Projekt.


Ausgangslage

Die Gemeinde Albinen liegt 1350 m.ü.M an einem nach Südwesten ausgerichteten Sonnenhang über dem Rhonetal und zeichnet sich durch ein vergleichsweise mildes Klima, viel Sonne und eine prächtige Aus- und Rundsicht aus.


Das Dorf verfügt über eine historisch gewachsene, mehrere hundert Jahre alte Bausubstanz, insbesondere in der Kernzone, welche mit rund 230 Gebäuden Teil des ISOS-Inventars ist (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung). Albinen verfügt also in seinem Kernbereich über eine äusserst wertvolle Bausubstanz. Gleichzeitig wird Albinen vom Staatsrat als PSRM – Gemeinde eingestuft, d.h. die Gemeinde liegt in einer Zone mit spezifischen Problemstellungen des Berggebiets und des ländlichen Raums (demografischer Wandel, Abwanderung, Klimawandel, etc.) und ist als solche angehalten, mit einer Strategie die vorhandenen Potenziale bestmöglich auszuschöpfen; so stehen in der Entwicklungsstrategie von Albinen folgende Zielsetzungen im Vordergrund:


• Erhalt der Autonomie und Lebensfähigkeit der Gemeinde


• Massnahmen im Kontext des demografischen Wandels, Steigerung der Attraktivität von Albinen als Wohngemeinde für junge Familien.


• Bestmögliche Ausschöpfung des Entwicklungspotenzials von Albinen, Erhalt und Ausbau der wirtschaftlichen Strukturen, insbesondere der touristischen Infrastruktur.


Projekt

Mit dem Projekt ALBIJOU werden im Rahmen des Programms «Zukunft Albinen» erste Massnahmen konzipiert und umgesetzt. Es setzt bei den vielen leer stehenden Zweitwohnungen an: Besitzerinnen und Besitzer sollen dazu motiviert werden, ihre Zweitwohnungen in den von ihnen definierten Zeiträumen professionell bewirtschaften zu lassen. Dazu wird eine Hotelstruktur aufgebaut, die von Privatpersonen aus dem Dorf getragen und analog und digital betrieben wird. Parallel dazu werden touristische, kulturelle Angebote und weitere Freizeitaktivitäten konzipiert und als Angebote gebündelt, übersichtlich kommuniziert und im Sinne der Tourismusstrategie des Bundes als Gesamtpaket zur Verfügung gestellt.


Der gemeinsame Nenner dieser Angebote ist, dass sie auf schon im Dorf bestehenden Aktivitäten von Privaten, Vereinen und Gewerbebetrieben aufbauen und somit im Dorfleben verankert sind. Ein weiteres wesentliches Element des Dorfhotels ist der Workspace – eine Büro-/Arbeitsinfrastruktur, die Gästen und Einheimischen zur Verfügung steht. Damit sind neue Kombinationen im Kontext von Arbeits-, Familien- und Ferien-/Freizeit möglich.


Elementarer Bestandteil ist die konsequente Einbindung der Bevölkerung mittels verschiedener Partizipationsmöglichkeiten wie Dorfworkshop, Arbeitsgruppen oder eines selbstgewählten Engagements nach Interessen und Fähigkeiten. Mit dem Dorfhotel und den begleitenden Angeboten werden vielfältige Möglichkeiten des Austausches von Gästen und Einheimischen geschaffen. Damit kann auch eine spezielle Bindung der Gäste an das Dorf erreicht werden. Mit dem Projekt ALBIJOU entstehen (Teilzeit-)Arbeitsplätze, die für die Gemeinde Albinen sehr wichtig sind.


Projektpartner sind die Gemeinde Albinen und das Institut Integrative Gestaltung | Masterstudio der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel.

Aus der Forschungsperspektive stehen vor allem die folgenden Fragen im Zentrum:


• Mit dem Projekt neue Regionalpolitik des Bundes (NRP) wird die dezentrale Besiedlung der Schweiz explizit gewünscht und gefördert: Kann unser Projekt in diesem Zusammenhang eine nachhaltige und exemplarische Wirkung zeigen?


• Mit dem Programm INNOTOUR des Staatssekretariats für Wirtschaft(SECO) und weiteren kantonalen und lokalen Initiativen werden Innovationen im Tourismus gefördert und gefordert: Können mittels der Methodik des partizipatorischen Designs zusammen mit den involvierten Leuten aus Albinen innovative Projekte entstehen? Lassen sie sich auch entsprechend umsetzen? Welche speziellen Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein? Können daraus Modelle abgeleitet werden?


• Können im Rahmen dieses Projekts soziale und ökologische Prinzipien durch eine partizipatorische, dezentralisierte und demokratisierte Designpraxis zur Anwendung kommen?



Projektteam:

Michela Caldana und Beat Jost (Gemeinde Albinen)

Valerie Notter und Heinz Wagner (IIG / HGK FHNW)