Zeitgenössische Formen des immersiven Theaters

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2019

#StudioScenography #Master-Thesis

In den letzten 15 Jahren sind zunehmend unterschiedliche zeitgenössische Theaterformen hervorgegangen, die sich mit den Begriff `immersives Theater´ schmücken. Deren Formate können als Installation, szenische Narration, Stadtspaziergang, Performance, Tanz, Audiowalk, politische und ästhetische Aktion sowohl im Kunstraum als auch im öffentlichen Raum wiedergegeben werden. Was macht diese Formen gerade so spannend und interessant? Sie bezeichnen sich als Theater der Teilhabe und Wirklichkeitstheater, doch wieviel Realität kann im Theater und auf der Bühne wirklich wiedergegeben werden?

Sophia Prölss' Masterthesis beschäftigt sich mit der immersiven Geschichte des Theaters, Verhältnis von Realität im Theater und den unterschiedlichen zeitgenössischen Formen. Dabei analysiert sie drei Projekte verschiedener Kollektive, um die immersive Wirkung und dessen nötige Mittel und Medien der jeweiligen Inszenierung zu ermitteln.

Die Auseinandersetzung des "immersive theatre" erweist sich als ein präsentes Thema der Theaterwelt und wird aufgrund unterschiedlicher Stellungsnahmen und Meinungen immer häufiger debattiert. Es scheint ungeklärt, inwiefern zeitgenössische immersive Theaterformen als ein Charakteristikum des Theaters oder eben einfach nur als Hype beschrieben werden können. Kann der Zuschauer freie Entscheidungen treffen oder unterliegt er manipulativen Strukturen, die bestimmte Aktionen des Rezipienten auslösen?

Aus ihrer Analyse schliesst sie, dass "immersive Theaterformen" zwar den Anspruch erheben sowohl eine physische als auch psychische Immersion zu gewährleisten, dies dem Rezipienten jedoch nicht garantiert werden kann. Da die immersive Wirkung von Zuschauer zu Zuschauer aufgrund der individuellen Wahrnehmung unterschiedlich eintritt, stellt 2immersives Theater" ein Rezeptionsphänomen dar. Dabei bedienen sich zeitgenössische immersive Theaterformen bereits bestehender Strategien, wie gegen die Routine des Spielens und Sehens, die Momente der Distanz und der Unterbrechung, den Verfremdungseffekt, das Zusammenspiel von Desillusionierung und Illusionierung oder auch an „durational performances“, deren Merkmale körperliche Erschöpfung, Überdrehtheit in Ereignissen von mehreren Stunden wiedergibt. Weiterhin nehmen sie als eine Erweiterung der Bühne neue Technologien (VR, AR, etc..) und deren Möglichkeiten wahr und verstärken somit den immersiven Effekt.

Die Frage, wie viel Einfluss der Rezipient selbst in "zeitgenössischen immersiven Theaterformen" auf den Handlungsstrang besitzt, kann nach ihrer Analyse nach beantwortet werden: mit einem geringen Anteil.

Die Teilnehmer der Inszenierungen erfahren nur das von den Kuratoren Preisgegebene und können die vorhandenen Komponenten einzig aufgrund ihrer eigenen Wahrnehmung individuell verknüpfen.

Der wirklich freie Entscheidungsspielraum der Teilnehmer ist somit stark begrenzt und konfroniert Rezipienten, dessen Entscheidungen ausserhalb ihrer Möglichkeiten stehen, mit Kontrollverlust und Sinnlosigkeit.

Gerade dies scheint in unserer Gesellschaft Anklang zu finden - ihr einen Spiegel vor Augen zu halten und sich somit mit relevanten aktuellen Geschehnissen auseinanderzusetzen.

Mentorat:

Andreas Wenger

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Heike Dürscheid, Martina Ehleiter, Ruth K. Scheel

, Studio Scenography & Exhibition Design