Widerstand und ästhetische Praxis

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2019

Eine fragmentarische Erkundung

#StudioIntegrativeDesign #Master-Thesis

In dieser Arbeit erkundet Gabriela Mighali formal und inhaltlich das subversive Potenzial gestalterischer Prozesse. Anhand der Besprechung von widerständigen Techniken im Bereich der ästhetischen Praxis macht sie sich auf die persönliche Suche nach der eigenen Haltung als schreibende Gestalterin. Der daraus entstandene, fragmentarische Textkorpus plädiert für die Hinwendung zum Ich und dem 'Wir', in die es eingebunden ist und für das Entblössen der eigenen Verletzlichkeit.

Voraussetzungen

Unter den aktuellen globalen Umständen ist eine angeregte Diskussion über die Partizipation an (macht-)politischen Vorgängen und Krisen im Gange: Inwieweit ist jede_r Einzelne verantwortlich für die globalen Missstände? Müssen diese Missstände bekämpft werden und wenn ja: Wie können sie bekämpft werden? Die Möglichkeiten und Grenzen dieser Partizipation sind auf explizite und implizite Weise Gegenstand aller theoretischer, künstlerischer und gestalterischer Arbeit.

Strategien

"Mit der Eröffnung des Feldes des Widerstandes und der ästhetischen Praxis in ihrer historischen Dimension prallen zwei Begriffe in ihrer ganzen Komplexität aufeinander. Wie sich zeigen wird, denke ich beide Begriffe als mehrdimensionale Konzepte, die sich gegenseitig durchdringen. Es sind daher auch viel eher Räume denn ein Feld, die sich vor mir auftaten; Räume voller Personen, Ereignisse, Ideen, Mächte und Gegenmächte, voller Türen, Funde, Haltlosigkeit und Zuversicht. Ich spazierte durch diese Räume und bin auf vielerlei gestossen: Archive mörderischer Stadtgeschichten, die Suche nach neuen Worten, Manifeste, Verkleidungen, Fake-Auftritte. Ich suchte nach Strategien des Widerstandes und habe mitunter Dinge erblickt, mit denen ich nicht gerechnet hatte."

Widerstand ist auf eine offensichtliche Art ein relationaler Begriff: Er bezieht sich unweigerlich auf ein Gegenüber, ohne das er nicht existieren kann. Widerstand ist also stets eine Gegenkraft und beruht auf dem Verhältnis zu einer anderen Kraft, der er sich widersetzt. Historisch betrachtet lässt sich feststellen, dass im Zuge der politischen Entwicklung und des poststrukturalistischen Paradigmenwechsels ein Wandel im Verständnis von Widerstand stattgefunden hat.

Gabriela Mighalis methodische Annäherung an die Räume zwischen ästhetischer Praxis und Widerstand beinhaltet assoziative als auch analytische Momente.

Ohne ein Instrument zur strukturellen Analyse widerständiger ästhetischer Praktiken zu entwickeln, hat sie diese aber durchaus kulturwissenschaftlich betrachtet und diskutiert. Die Analysen finden eher punktuell statt, an Beispielen, die unsystematisch und assoziativ ausgewählt worden sind.

Sie verlief assoziativ, insofern sie geleitet war durch einen intimen Blick.

Die Auseinandersetzung mit Gestaltung findet also auf zwei Ebenen statt: Einerseits auf einer stofflichen Ebene in der Befragung des subversiven Potenzial von Gestaltung und damit zusammenhängend dem Handlungsspielraum, der gestalterischen Prozessen innewohnt und wie sie mit Gesellschaft verknüpft sind. Andererseits auf einer formalen Ebene in der Auseinandersetzung damit, was Gestaltung sein kann: In der Gestaltung dieser Arbeit, die weder klassisch wissenschaftlich noch klassisch literarisch daherkommt und die gestalterische Dimension von Worten, Sätzen, Textstruktur und textur untersucht.

Mentorat:

Prof. Dr. Bettina Köhler

, Institut Integrative Gestaltung

Prof. Dr. Jörg Wiesel

, Institut Ästhetische Praxis und Theorie