Sons of Paddė

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2017

Neues Männerbild

#StudioFashionDesign #Master-Thesis

Paddė ist ein fiktives Land, deren Gesellschaft sich an antike Kulturen anlehnt, welche vor rund 5’000 Jahren auf Kreta existierten. Die Gleichstellung von Frau und Mann in der minoischen Kultur diente als Grundlage zur Entwicklung der frei erfundenen Welt von Paddė. Die Bewohner von Paddė, einer sehr naturbezogenen Kultur, verschreiben sich der Balance von Mensch, Natur und ihrer Umgebung.


In seiner Masterthesis und Kollektion «Sons of Paddė» wirft Martin Jascur einen unschuldigen Blick auf den Körper, welcher die europäische Mode und europäischen Moderegeln hinterfragt. Wie funktioniert ein unschuldiger Blick? Wie trainiert man sich eine Sicht an, die anders als die aktuelle westliche Veranschaulichung des nackten Körpers ist? Die Kollektion soll nicht nur Mode zeigen, sondern eine alternative Sicht auf die Zukunft lenken. Durch die implizite Nähe von Mode, Gesellschaft und Kultur kann man mit Mode nicht nur eine Zugehörigkeit identifizieren, sondern auch eine Gesellschaft verändern und neu definieren. 

Martin Jascur setzt mit der Nacktheit keine Enthüllung zur Schau, sondern wirft einen unschuldigen Blick auf den Körper und entdeckt die Mode. Er entwickelt eine neue Modesprache, welche die Nacktheit und Tabus der Körper liberalisiert und auch sensibilisiert.

Die Motivation liegt in der Annäherung und Neuinterpretation einer Männermode, welche den Körper nicht als männlich oder weiblich empfindet, sondern ihn in erster Linie als ein Spielfeld von Möglichkeiten betrachtet. Er analysiert den menschlichen Körper und sucht Stellen an ihm, die sich für das Befestigen der Kleidung und das Anbringen von Materialien wie Stoff, Leder oder Kunststoffe eignen. Die Rundungen und Wölbungen des Körpers, egal ob von Frau oder Mann, besitzen Ankerpunkte, welche ideale Voraussetzungen darstellen, um, basierend auf einem eigenen Gender-Verständnis, eine neue Modesprache zu entwickeln. Nacktheit wird als zusätzliche Fläche genutzt und Öffnungen und Ausstülpungen des Körpers als Aufhänge- oder Steckvorrichtungen eingesetzt. Der Arbeitsprozess reduziert und lässt Stellen aus, wo textile Fläche durch unbedeckte Haut ersetzt werden konnte.

Die Kollektionsteile werden als Street-Wear, als unkonventionelle und leichte Mode, welche in der Freizeit getragen und mit einer Selbstverständlichkeit sportlich und lässig getragen wird, umgesetzt. Die Concept Art von Flavio Bolla mit Zeichnungen von Skylines, Lichtsäulen und Wasserfällen, dienen als Vorlage für die Textildrucke.

Die Arbeit schmückt nicht das Bewährte, sondern verlässt den Pfad der Sicherheit und erfindet sich am Körper neu. Die Kollektion bringt ein gesundes Chaos und aufregende Irritation in die Welt. Warum funktionieren Paddė und unser «System» anders?

Mentorat:

Katrin Kruse

, Studio Fashion Design

Prof. Priska Morger

, Studio Fashion Design