Palazzo Ducale Reloaded

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2017

#StudioScenography

«Palazzo Ducale Reloaded – The Stories of the Absent» ist ein internationales und interdisziplinäres Semesterprojekt mit dem Ziel, die verborgenenen und unbekannten Geschichten des Palazzo Ducale erlebbar zu machen.


Die berühmte Architektur des Palazzo Ducale im Zentrum Mantovas wird gegenwärtig als Museum bespielt. Mit dem Projekt soll das Palazzo Ducale mit szenografischen Mitteln aufgeladen und inszeniert werden. Die räumlichen, narrativen und dramaturgischen Potentiale des Palazzo sollen hierbei erkannt, untersucht und zum Vorschein gebracht werden.

«Journey to the Beyond - Immortal Glory»


Die Event-Ausarbeitung von Despina Simeonidou basiert auf der Oper LʼOrfeo von Claudio Monteverdi. Die Uraufführung fand am 24. Februar 1607 anlässlich des Geburtstages von Francesco IV. Gonzaga im herzoglichen Palast in Mantua statt. Sowohl die Oper, als auch der Event bestehen aus einem Prolog und fünf Akten. Despina Simeonidou erweiterte den Event und fügte einen Pro-Prolog und einen Epilog hinzu.

Der Besucher ist eingeladen, eine Tour durch den Palazzo Ducale zu unternehmen, und den über 300 Jahre alten Palast mit seinen Fresken und einem begehbaren Orpheus mit Aufführungen und Orchester zu geniessen. Der Anlass handelt von Orpheus, und erzählt die Geschichte von seinem Abstieg zu Hades und seinen fruchtlosen Versuch, seine tote Frau Eurydike wieder zurück zu den Lebenden zu bringen. Er handelt von Liebe, Hoffnung und Verlust.

Diese Inszenierung soll zeigen, dass sich unsere Gesellschaft mit den selben Problemen beschäftigt und noch vielen weiteren. Was ist die Hölle des 21. Jahrhunderts? Welche ist die Hölle eines Selbst? Dies sind die Fragen, mit denen der Besucher nach dem Event konfrontiert wird. Bevor die Besucher die Veranstaltung verlassen, sind sie mit einem projizierten Zitat von Aristoteles konfrontiert: 

Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit, am Künftigen die Hoffnung und am Vergangenen die Erinnerung.


«Il palazzo parlante – Scambio di messaggi»


Das Ausstellungskonzept von Kathrin Mast basiert auf der Korrespondenz von Barbara Gonzaga, geborene Markgräfin von Mantua und erster Herzogin von Württemberg. Die abwechslungsreichen Geschichten der über 300 Briefe bilden die Grundlage der einzelnen Interventionen. Der Besucher erhält einen Eindruck, wie der Brief im späten Mittelalter als Medium der Kommunikation verwendet wurde, von welcher Bedeutung das Schreiben zur Zeit der Gonzagas war und wie der Austausch von Nachrichten im Vergleich zur heutigen Zeit funktionierte. Die internationale Kommunikation über die Alpen hinweg geben neue Einblicke in die dynastischen Netzwerke und Beziehungen bis hin zu persönlichen Gefühlswelten.


Der Besucher bekommt zu Beginn einen eigens verfassten «Brief» (analoges Medium) überreicht. Dieser führt ihn durch die Ausstellung und hält in Kombination mit den verschiedenen Schriftprojektionen diverse Informationen für ihn bereit. Daten und faktenbezogene Inhalte werden neben fiktiven Inhalten an den Besucher weitergeben. Die Zunahme der differenzierenden Informationen führt den Besucher Stück für Stück in die Irre, sodass dieser kaum mehr Wahrheit von Fiktion trennen kann. Während der Ausstellung durchlebt der Besucher verschiedene Rollen wie zum Beispiel die des Boten. Er wird aufgefordert Informationen zu sammeln, Rätsel zu lösen und diese auf seinem eigenen analogen Medium (Brief) festzuhalten.


Das analoge Medium bietet ein völlig neues und überraschendes Ausstellungserlebnis für den Besucher, womit er die Themen und Inhalte individuell entdecken kann. Ein einfaches «Papier» wird zum persönlichen Device. Wird es in eine Projektion gehalten, richtet diese sich nach Standort und Größe des Mediums und überträgt die Projektion auf das Medium. Es dient dem Besucher als Projektionsfläche für Texte, Audio, Bilder und Rätsel. Durch die wechselnden Projektionen entstehen für den Besucher digitale Wechselspiele, die verschiedene Geschichten wiedergeben und vom Besucher interaktiv mit gestaltet werden können. 


Kollaborations-Projekt zwischen Palazzo Ducale Mantova, Politecnico di Milano, Department of Architecture and Urban Studies und der FHNW | HGK Basel | Institut Innenarchitektur und Szenografie & Masterstudio | Studio Scenography & Exhibition Design 


Projektleiter: Prof. Uwe R. Brückner, Basel

Mentor: Prof. Marco Borsotti, Mantova

Patronage: Peter Assmann, Direktor Palazzo Ducale, Mantova

Assistentin: Martina Ehleiter, Basel