Körper:Zeichen

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2018

Von der Gestaltung empathischer Kommunikation über digitale Messenger

#StudioIntegrativeDesign #Master-Thesis

Kommunikative Verhaltensweisen des Menschen haben sich über Jahrtausende hinweg evolutionär und kulturell entwickelt. Die rasante Entstehung der Digitalen Welt hat dagegen erst vor einigen Jahrzenten begonnen. Dementsprechend nachvollziehbar ist es, dass bei dem Aufeinandertreffen dieser Elemente zuweilen Spannungen entstehen. Dieses Spannungsfeld und die daraus resultierenden Probleme und Besonderheiten erfahren viele Menschen insbesondere dann, wenn sie miteinander über WhatsApp, Telegram oder andere Digitale Messenger kommunizieren. Ein Umstand, der für viele alltäglich geworden ist und sich dennoch manchmal unnatürlich anfühlt.

Mit z.B. eigenen Emotionen in Kontakt zu gehen, bedeutet großteils die eigenen Gefühle wahrzunehmen, die sich in physischen Empfindungen und Regungen manifestieren. Mit den Emotionen und Bedürfnissen anderer in Kontakt zu gehen, ist das, was gemeinhin als Empathie bezeichnet wird. Es bedeutet unter anderem, die körperlichen Anzeichen des anderen zu lesen und geht zudem wiederum mit eigenen körperlichen Reaktionen einher. Somit leitet Heidi Franke die Fragestellung ihrer Thesis wie folgt ab:

Wie müssen Digitale Messenger gestaltet werden, damit körperliche Zeichen von Emotionen und Empathie darin integriert werden können?

Besonders der affektive Teil von Empathie wird größtenteils über watzlawickisch analoge, also beispielsweise nonverbale Kommunikation erzeugt. Deshalb ist ihre Einbindung in Digitale Messenger für einen empathischen Austausch von grundlegender Bedeutung. Emotionale Ausdrucksweisen des Körpers werden anhand verschiedener Darstellungen in kommunikative Zeichen übersetzt. Hierbei lassen sich zwei Arten unterscheiden: gestaltete Darstellungen und dokumentarische Aufnahmen. Der größte Unterschied zwischen diesen ist ihr Entstehungsprozess. Dokumentarische Aufnahmen (Selfies, Sprachnachrichten o.ä.) werden von der sendenden Person generiert. Bei gestalteten Darstellungen (Emojis, Sticker, GIFs etc.) kommt noch die Rolle des*der Designer*in hinzu.

Bisher gibt es kaum Möglichkeiten verschiedene Lebensbereiche (z.B. Arbeitsleben und Freizeit) innerhalb eines Messengers voneinander abzugrenzen, weder räumlich noch zeitlich. Die einzige Möglichkeit liegt in der Entscheidung, ob und welche Modalitäten verwendet werden. Einen Ansatz, wie diese Abgrenzung erreicht werden könnte, hat Heidi in der vorliegenden Arbeit vorgestellt.

Digitale Messenger werden auch in Zukunft eine große Rolle in der zwischenmenschlichen Kommunikation spielen. Um mit diesen Hilfsmitteln in Zukunft empathischer kommunizieren zu können, braucht es vor allem mehr Handlungsfreiheit für die Kommunizierenden. Es bedarf unter anderem einer Weiterentwicklung von Ästhetik, stärker differenzierter Darstellungen (z.B. Sticker) und der Möglichkeit, klar zwischen verschiedenen Lebensbereichen unterscheiden zu können (z.B. privat und beruflich). Ein wesentlicher Bestandteil für den zukünftigen Erfolg wird auch darin bestehen, dass der Umgang mit digitalen Messengern kultiviert wird.

Mentorat:

Bettina Köhler

, Institute Integrative Gestaltung

Moritz Greiner-Petter

, Institut für Experimentelle Design- und Medienkulturen