Der Baum im Stuhl

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2015

Prozessgestaltung an der Ressource

#StudioIntegrativeDesign #Master-Thesis

Der Wald ist Lebensraum, Erholungsgebiet, Umweltakteur, kultureller Projektionsraum, Rohstofflieferant und Tatort zugleich. Seine Bedeutung steht im unmittelbaren Zusammenhang mit den Interessen der Nutzer. Man kann sagen, der Wald ist ein Raum der Erwartungen, ein Zustand anhaltender Erwartung.

Für die holzverarbeitende Industrie liegt das Interesse in der direkten Verwertung des wichtigsten Rohstoffs, den der Wald liefert – nämlich Holz. Auf Basis dieser Ressource entwickeln Unternehmen Wertschöpfungsketten, an deren Ende Halbzeuge oder Fertigprodukte stehen.


In der Arbeit «Der Baum im Stuhl» unternimmt Simon Kleinwechter den Versuch, über Methoden ästhetischer Praxis dem Prozess der Entstehung eines Holzstuhls – als stellvertretendes ikonisches Designobjekt – eine begreifbare Form zu geben. Die artefaktische Übersetzung des Prozesses kontextualisiert das gestalterische Potential des gewachsenen Rohstoffs vor Ort in Verbindung mit den praktischen Fähigkeiten des Designers selbst. Die Absicht besteht darin, dem Betrachter ein unmittelbares Verständnis von Nachhaltigkeit über eine gesamtheitliche Erfahrung zu vermitteln.

Auf Grundlage eines 1:3-Modells werden sieben Bäume in einem Waldstück mit der Kettensäge transformiert. In der ersten Transformation – dem «Hochlager» – werden drei Bäume so bearbeitet, dass die notwendigen Konstruktionsteile des Stuhls direkt in die Bäume hinein gesägt wurden ohne die Bäume zu fällen oder die Bauteile dem Baum zu entnehmen. Die zweite Transformation – die «Einsicht» – zeigt ein anamorphes Modell des Stuhls im Maßstab 3:1, welches auf vier, in der Lage unveränderten Baumstämmen errichtet steht und lediglich über einen einzigen Blickpunkt perspektivisch korrekt erscheint.

In beiden Fällen wird der Betrachter selbst zum prozessualen Element indem vorhandenes Wissen und ästhetische Wahrnehmung aktiv in den Gestaltungsprozess eingebunden und eingefordert werden. In beiden Fällen erschließt sich der Erkenntnisgewinn der Transformationen durch das Erleben vor Ort, am Ursprung – im Wald.

Mentorat:

Prof. Armin Blasbichler

, Institut Integrative Gestaltung

Prof. Dr. Regine Halter

, Institut Integrative Gestaltung