Craftschaft

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2017

Administration als Gestaltungswerkzeug im Handwerk

#StudioIntegrativeDesign #Master-Thesis

Auf der Basis zukunftsweisender Anwendungsbereiche von Blockchain-Technologie erörtert Pan Thurneysen in seiner Master Thesis administrative, logistische und kommunikative Aspekte von handwerklich hergestellten Produkten entlang der Wertschöpfungskette. Beispielhaft soll ein System entworfen werden, das administrative, logistische und marketingbezogene Prozesse von lokal hergestellten Produkten automatisiert abwickelt, ohne externe Kontroll- oder Mittler-Instanzen. Ziel ist es, dem lokalen Handwerk die planerischen und administrativen Möglichkeiten der in der Masse produzierenden Industrie zu erschliessen – oder mehr noch: diese durch Transparenz zu überbieten. 


«Craftschaft» befasst sich mit dem unternehmerischen Potential digitaler Werkzeuge im lokalen Schweizer Handwerk. Das Projekt befasst sich mit Produktdesign als Prozess und verbindet lokale Akteurinnen und Akteure, gibt ihnen Zugang zu wortwörtlich naheliegenden Materialien und verwendet die Blockchain-Technologie, das Grundprinzip, mit welchem z.B. Bitcoins funktionieren. Damit lassen sich nicht nur Währungen realisieren, sondern etwelche wertbezogene Zustände, Umstände und Veränderungen festhalten, verifizieren und transferieren. 

Dabei geht es nicht einfach um das Automatisieren von Abläufen, sondern um die Erschliessung eines Wertes, der insbesondere in der Industrie heikel und aufwändig zu bewirtschaften ist: Die Transparenz. Pan Thurneysen stellt die Hypothese auf, dass Transparenz mehr und mehr unsere Kaufentscheide beeinflussen wird. Wir möchten schon heute wissen, wer uns was genau Teil im Herstellungsprozess eines Produkts war. Muss man den Beteuerungen der Industrie und der Qualitätslabels vertrauen?

In einem globalen Markt ist es äusserst schwierig, durchgehende Klarheit bezüglich der Herkunft und Beschaffenheit von Rohstoffen zu schaffen, geschweige denn, Hintergrundinformationen zu den einzelnen Akteuren im Lebenszyklus eines Produktes aufzuzeigen: Vom Rohstoffabbau, über Verarbeitung und Versand, bis hin zur etwaigen Wiederverwertung. Für Produkte mit starkem lokalem Bezug kann das anders aussehen. 

Zu Produkten, welche in diesem Co-Crafting-System hergestellt werden, haben die Käufer eine viel tiefer sitzende Bindung als das bei einem Massenprodukt der Fall ist. Die erlebbare Geschichte hinter jedem Arbeitsschritt und Material gibt dem Kunden das Gefühl, mit dem Erwerb dieses Objektes ein Teil der Kette zu werden. 

«Craftschaft» versteht sich als unternehmerisches Gefäss, in dem die tatsächlich an einem Ort vorhandenen Kleingewerbetreibenden und Materialien zusammenkommen, um Produkte aus den vorhandenen Materialien zu kreieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche Ansätze und Elemente davon dem lokalen Handwerk Möglichkeiten zur Differenzierung am Markt bieten. Wie können Handwerkerinnen und Handwerker in einem solchen System Transparenz abbilden? Wie profitiert der Markt davon? Ist diese radikale Form von Transparenz aus unternehmerischer Sicht überhaupt erstrebenswert? 

Mentorat:

Prof. Armin Blasbichler

, Studio Integrative Design

Luca Vicente

, Process Designer