HABIT:ARE

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2020

Wohnen als Handlung

#StudioIntegrativeDesign #Master-Thesis

Die Arbeit untersucht den Akt der Wohnens mit Blick auf die komplexen Zusammenhänge der Modalitäten von Ort, Anpassung und Intervention. In einem Selbstexperiment wurden Routinen normativen Wohnens verinnerlicht und anschliessend andernorts rekonstruiert. Das Ergebnis ist ein Kurzfilm über das Wohnen mit der Gewohnheit als Protagonistin im Konflikt mit örtlichem Kontext und jeweiligen Handlungsmustern.

Um das Verhältnis von Adaption/Intervention zu überprüfen, wird in zwei Phasen der Versuch unternommen jeweils einen Handlungsmodus in einem Kontext getrennt von einem anderen Handlungsmodus durchzuführen. Dabei bilden die folgenden Leitfragen den Rahmen: Was passiert, wenn ich meine Gewohnheiten von einem Ort an einen anderen Ort übertrage? Ändere ich mich in Bezug auf den Ort, oder ändere ich den Ort in Bezug auf mich?

> Phase Adaption

Am 19.11.2019 ziehe ich in eine mir unbekannte Wohngemeinschaft im Kleinbasel. Die WG befindet sich in der ehemaligen Mansarde im dritten Obergeschoss. Die Studentin deren Zimmer ich zur Zwischenmiete übernehme, geht für einen Monat nach Berlin. Das Zimmer ist somit möbliert und ausgestattet mit ihren Sachen. Ich untersuche den Wohnkontext über einen Zeitraum von 18 Tagen. Dabei dokumentiere ich die Entstehung von Routinen und Handlungsabläufen über meine Nutzung von Gegenständen mittels Markierung, einem Logbuch und einem Tagebuch. Ich nehme mir vor:

– Meine Gewohnheiten müssen sich an den Ort anpassen.

– Ich werde keine Interventionen am Ort vornehmen.

> Phase Intervention

Am 9.12.2019 ziehe ich in eine Lagerhalle der ehemaligen COOP Verteilerzentrale in Pratteln, einem Gebäudekomplex, der sich in einer 4-jährigen Zwischennutzung befindet. Dort rekonstruiere ich meinen Handlungsraum der ehemaligen Wohnung entlang festgelegter Kriterien aus Gebrauchs-Logbuch und Tagebuch.

Ich bemale alle relevanten Bauteile mit grüner Ultra-Key Farbe und ziehe anschliessend für 18 Tage ein. Sämtliches erinnertes Mobiliar ist zwar vorhanden und am richtigen Ort, jedoch je nach Funktion in der Halle nicht zu gebrauchen. Die Diskrepanz zwischen Funktion und der Erinnerung wird mit Hilfe einfacher Mittel überbrückt um die Halle als Wohnort zu etablieren. Ich nehme mir vor:

- Meine Gewohnheiten bleiben, der Kontext des Orts muss sich ändern.

- Ich werde meine Tagesroutinen nicht an den Ort anpassen.

Der Film: HABIT:ARE – Wohnen als Handlung

Die wechselseitige Beziehung von Anpassung an einen Kontext sowie Einflussnahme in eben diesem Kontext läuft iterativ und fortwährend ab. In der Konfrontation von alten Mustern mit neuen Kontexten liegt die Chance neue Nutzungsformen, Funktionsräume, Sozialsituationen und Ästhetiken zu erarbeiten. Das Filmset als Green-Screen-Rauminstallation in einer Lagerhalle verkörpert den Platzhalter eines medialen Erinnerungsraums mit dem Potential einen tatsächlich anderen Wohnkontext zu vermitteln – mit den gleichen Dingen, nur eben am falschen Ort.

Mentors:

Prof. Armin Blasbichler

, Studio Integrative Design

Prof. Heinz Wagner

, Masterstudio Design

Merle Ibach

, Institute of Experimental Design and Media Cultures